Benehmen im Ausland: Fettnäpfchen vermeiden

Benehmen im Ausland: Fettnäpfchen vermeiden

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Jeder kennt das typische Bild vom deutschen Touristen: Mit pinken Shorts, Muskel-Shirt, Tennissocken und Sandalen macht er lautstark Strände und Altstädte südlicher Länder unsicher. Die meisten Deutschen denken, dass sie sich nie daneben benehmen und die Bräuche der Gastländer respektieren. Doch es gibt raffinierte Eigenheiten, die vielen weithin unbekannt sind. Benimm-Experte Hans-Michael Klein, Leiter der Knigge-Akademie und Vorsitzender der deutschen Knigge-Gesellschaft, stellt Besonderheiten einiger Länder vor.

 

Deutsche haben gutes Image

Generell ist das Image der Deutschen besser als man glaubt. "Made in Germany hat einen guten Klang in der Welt, deutsche Produkte sind beliebt, und deutsche Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit hoch angesehen", sagt Klein. Was im Ausland nicht gut ankomme, sind zum Beispiel die deutschen Eigenschaften, offen Kritik zu üben oder Ungeduld zu zeigen. Zu leichte Kleidung, insbesondere in Heiligtümern, sollten Sie unbedingt vermeiden. Denn auf der ganzen Welt gilt: Barbusige Frauen sind streng verpönt und werden teils als "extreme Beleidigung" empfunden.

 

Ausgewählte Tipps für das richtige Benehmen

 

Italien

"Die Italiener sind immer wie aus dem Ei gepellt", sagt Klein. Deutsche Urlauber sollten sich nicht allzu leger kleiden. Beim Alkohol sollten Sie sich in der Öffentlichkeit zurückhalten. "Italiener trinken zwar gerne", sagt Klein. »Sie sind aber nie betrunken. Herumtorkelnde deutsche Urlauber sind für Italiener ein Ärgernis.« Die Diskussionskultur der Italiener birgt für Deutsche Überraschungen: "Die Lautstärke ist hoch, und es ist normal, dem Gesprächspartner ins Wort zu fallen", sagt Klein. Dadurch zeige man Interesse.

Spanien

Auch in Spanien ist der Dresscode schick und hohe Lautstärke normal. Man trinkt, ist aber nie betrunken. "Das ist der Grund, warum die Spanier, wenn sie trinken, auch immer etwas essen, meist Tapas", erklärt Klein. Pünktlichkeit wird nicht so groß geschrieben. "Eine Viertelstunde zu spät kommen, ist nicht schlimm", sagt Klein. Wichtig zu wissen ist, dass es in Spanien verschiedene Nationen gibt, etwa Katalanen, Basken und Andalusier. "Diese darf man nie über einen Kamm scheren!"

Niederlande

"Deutsche sind dort unbeliebt", weiß Klein. Deshalb gilt: Die Umgebung beobachten und sich anpassen. Insbesondere sollten Sie sich leise verhalten, ob am Campingplatz, im Hotel oder am Strand. "Man darf auch nicht erwarten, dass jeder Niederländer deutsch spricht", sagt Klein. Deutsch wird an niederländischen Schulen nicht mehr so häufig gelernt. Daher sollten Sie immer auf Englisch ansprechen und nur auf Deutsch wechseln, wenn der Gesprächspartner es Ihnen anbietet. Der Experte rät, niemals die Niederlande mit "Holland" oder niederländisch mit "holländisch" gleichzusetzen. "Holland ist nur eine Provinz der Niederlande." Weitere Tipps: Witze über die Niederlande (Größe des Landes oder Tatsache, dass es keine Berge gibt) kommen nicht gut an.

Großbritannien

Auch bei den Briten haben es Deutsche nicht leicht. Sie müssen Nazi-Witze ertragen, dürfen selbst aber keine Queen-Witze reißen, ohne beleidigend zu sein. "Die Hände schüttelt man sich auf der Insel nur beim Erstkontakt", sagt Klein. Danach sollten Sie Körperkontakt vermeiden. "Die Gesprächskultur ist leise", so Klein weiter. Wer laut spricht, kommt schnell als aggressiv rüber.

Osteuropa

In Osteuropa hat die Farb- und Zahlensymbolik hohe Bedeutung. "Blumen verschenkt man in ungerader Zahl", sagt Klein. In gerader Zahl werden Blumen nur auf dem Friedhof abgelegt. Die Farbe Gelb ist zu meiden, da sie für Negatives steht. "Vier gelbe Tulpen kämen in Russland einer Hasserklärung gleich."

Lateinamerika

"Körperkontakt findet im Gespräch ständig statt", sagt Klein. "Einer Untersuchung zufolge berührt man sich dort in einer Stunde Gespräch bis zu 60 Mal, in den USA zehn Mal und in England null Mal." Ein absolutes "No Go" in Lateinamerika ist das Putzen der Nase in der Öffentlichkeit, was als ekelhaft gilt. Klein: "Hier heißt es zur Toilette gehen oder hochziehen." Skurril: Das Besteck hält man umgekehrt als hierzulande. "Messer links, Gabel rechts", sagt Klein.

Asien und Orient

Essen Sie mit Essstäben, sollten Sie diese nach dem Essen nicht in den Reis stecken. Dies ist in Japan und China Teil eines Todesrituals. "Beim Essen lässt man immer etwas übrig", sagt Klein. "Chinesen bestellen sogar, wenn sie fertig sind, oft einen weiteren Gang, nur um etwas übriglassen zu können." In China sollten Sie zudem die Zahl "4" meiden. Das Wort für "4" ähnelt dem Wort für Tod oder Unglück.

Islamische Länder

"Frauen müssen sich dort dezent im Hintergrund halten", so Klein, und sind auch von europäischen Männern in der Öffentlichkeit nicht groß zu beachten oder anzusprechen. "Was Alkohol anbelangt, so ist die Toleranzgrenze von Land zu Land sehr unterschiedlich." Während im Iran die Todesstrafe drohen kann, genießen Europäer beispielsweise in Tunesien Narrenfreiheit.

 

bfs-presse.de (D. Konrad)

Redaktion, 17.08.2011

schiliane
0 | 18.08.2011, 08:22

Frankreich ?   Benehmen hat mit Herkunft oder Nationalität nicht zu tun .. Frühstückbuffet *plündern *   Platz am Pool um 6 uhrin der früh !! reservieren mit Handtücher und um 10 uhr erscheinen .. 

Regalon
0 | 17.08.2011, 22:52

Wo bleibt Grönland?

cloudy
0 | 17.08.2011, 20:05

Und wenn man, aus dem hohen Norden kommend, den Weißwurstäquator überschreitet, gibt es auch Einiges zu beachten *zwinker*...

Ganz wichtig wären einige Verhaltensmaßregeln in Thailand, dort jemanden anzufassen oder gar über den Kopf zu streichen, ist verpönt und mehr als unhöflich..