Beruf gleich Lebenssinn - stimmt das?

Beruf gleich Lebenssinn - stimmt das?

8 | 9725 Aufrufe

Gibt die Arbeit unserem Leben erst Sinn?

Glücklich ist, wer seinen Beruf liebt und darin aufgeht, nette Kollegen hat und (fast) jeden Tag gerne zur Arbeit geht. Doch selbst wenn der Beruf nicht wirklich Berufung ist oder der eine oder andere Kollege so manches Mal für schlechte Stimmung im Betrieb sorgt, gibt der Berufsalltag dem Leben einen festen Rahmen. Wer Arbeit hat, fühlt sich als nützliches Mitglied der Gesellschaft. Doch sind unsere Familie und unsere Freunde nicht eigentlich viel wichtiger als der Beruf? Warum ist die Arbeit für viele Menschen so wichtig, dass sie in ein schwarzes Loch fallen, wenn sie in Rente gehen?

 

Routine tut manchmal einfach gut!

Es kann durchaus anstrengend sein, die Tage mit selbst gewählten Aktivitäten zu füllen. Drei Wochen Urlaub sind etwas ganz anderes, als wenn es sich um die nächsten 20 oder 30 Jahre handelt. Plötzlich liegen gähnend leere Tage ohne feste Verpflichtungen vor einem. Das ist etwas ganz anderes als der dringend herbeigesehnte Urlaub. Der Mangel an Verpflichtungen und die plötzliche Muße können oft regelrecht lähmen. Natürlich ist es schön, endlich mal wieder genügend Zeit zum Lesen, für lange Spaziergänge und zum Verreisen zu haben und es sind ja auch viele Dinge liegen geblieben, die nun endlich erledigt werden können. All das klingt gut, aber oft fehlt die Energie, die Dinge auch wirklich anzupacken. Der innere Schweinehund muss überwunden werden, denn plötzlich ist es ja so leicht, alles auf morgen oder auf nächste Woche zu verschieben. Die Notwendigkeit jeden Morgen zu einer festen Zeit aufzustehen, fällt weg. Abends fällt es schwer den Fernseher auszuschalten und nach und nach werden einige Rentner zu Nachteulen. Dagegen ist ja eigentlich nichts einzuwenden, solange nicht die sozialen Kontakte und Tagesaktivitäten immer weniger werden.

 

Der Mensch braucht das Gefühl, dass er gebraucht wird!

Einige Rentner bauen zusehends ab, sobald sie nicht mehr täglich zur Arbeit gehen. Warum ist das so? Gerade für Rentner, die keine engen Familienbande und kein tragfähiges Netzwerk von Freunden und Bekannten haben, ist die Berentung oft ein Schritt in die Einsamkeit. Die Gesellschaft scheint einen irgendwie nicht mehr zu brauchen. Manchmal hat es vielleicht sogar den Anschein, als ob der wichtigste und aktivste Teil des Lebens nun vorbei ist. Was wird die Zukunft wohl noch bringen? Ein Teil der eigenen Identität fällt für immer weg. Den von allen Kunden geschätzten und geachteten Elektriker oder die bei den Patienten so beliebte Krankenschwester gibt es plötzlich nicht mehr. Vielleicht ist es auch schwer einzugestehen, dass im Betrieb trotzdem alles reibungslos weiter läuft – das Gefühl der Unersetzbarkeit war also nur eine Illusion.

 

Wie können Sie dem Gefühl der Nutzlosigkeit vorbeugen?

Fast alle Rentner haben den Kopf voller Ideen, was sie alles machen könnten. All die aus Zeitgründen lange aufgeschobenen Dinge sind nun möglich. Endlich ist die Zeit da, eine neue Fremdsprache zu lernen, sich ehrenamtlich zu engagieren, einem Lesekreis beizutreten oder seine Tage im Tennisverein zu verbringen. Der Schlüssel zum Erfolg ist jedoch, das auch wirklich zu tun - und zwar JETZT SOFORT! Nicht morgen und nicht nächste Woche, sondern HEUTE. Ansonsten tun Sie es wahrscheinlich nie. Viele Rentner reden 10 Jahre lang davon, dass sie bald beginnen werden ihr eigenes Buch zu schreiben, das Haus zu renovieren oder Spanischunterricht zu nehmen, doch irgendwie wird daraus nie etwas.

 

Ehrenamtliche Arbeit ist für unsere Gesellschaft wichtig

Die ehrenamtlichen Großelterndienste suchen beispielsweise händeringend Senioren, die als "Ersatz-Oma" oder als "Ersatz-Opa" Familien unter die Arme greifen wollen. Viele Familien haben keine Großeltern in der Nähe und suchen daher nach "Ersatz-Großeltern". Für kinderliebe, Senioren ist es sicherlich eine dankbare Aufgabe Kindern das schöne Gefühl geben zu können, eine weitere feste Bezugsperson in ihrem Leben zu haben, die immer für sie da ist. Aber auch die Kirchen, Krankenhäuser, Bibliotheken, Tierheime, etc. sind für jeden ehrenamtlichen Mitarbeiter dankbar.

 

In unserer heutigen Gesellschaft ist Zeit für die noch im Beruf stehende Bevölkerung eines knappsten Güter überhaupt. Lebenserfahrung und Zeit sind eine unschlagbare Kombination, die unsere Gesellschaft dringend benötigt. Engagierte Pensionäre leisten also einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft und tun gleichzeitig sich selbst etwas Gutes, denn sie wissen, dass sie nach wie vor gebraucht werden. Das gibt Selbstvertrauen und dem Leben einen Sinn. Jeder Mensch sollte sich bemühen, die Zeit auf die bestmöglichste Art zu füllen und sie nicht einfach gedankenlos zu verplempern, denn die meisten Menschen gehen abends nur glücklich ins Bett, wenn sie den Tag mit schönen oder nützlichen Aktivitäten verbracht haben und stolz auf ihr Tageswerk zurückblicken können. Natürlich bedeutet das nicht, dass es nicht auch erfüllend sein kann sich einfach nur auf eine Bank zu setzen und die Natur zu genießen. Bewusst gewählter Müßiggang ist durchaus bereichernd, doch die meisten Menschen fühlen sich unzufrieden und antriebslos, wenn sie einfach planlos die Tage vertrödeln.

Redaktion, 06.09.2012

froggybln
0 | 07.09.2012, 14:21

Warum ist die Arbeit für viele Menschen so wichtig, dass sie in ein schwarzes Loch fallen, wenn sie in Rente gehen?

geschieht nur wenn sie sich nicht auf den Ruhestand vorbereitet haben.